Sekou

SekouZaun1

Videobotschaft von Sekous Familie siehe unten

Mit seiner Disziplin hätte es Sekou doch auch in seiner Heimat Mali zu etwas bringen können – könnte man meinen. Wären da nicht die finanziellen Engpässe der Familie, die mangelnde Infrastruktur in seinem Land und Sekous Ambitioniertheit gewesen.
Sekous Vater, der als Schneider seine zwei Ehefrauen und eine ganze Schar von Kindern durchbringen musste, hatte es sich nicht leisten können, die Ausbildung seiner Kinder bis zum Abschluss zu finanzieren. Begann Sekous Laufbahn noch hoffnungsvoll als Student, war nach zwei Jahren auf der Uni Schluss. Der Vater konnte die Ausbildung nicht länger finanzieren – und Sekous Traum von dem Beruf als Ingenieur platze. Er fügte sich, wurde Mathematiklehrer an einer Grundschule. Als er jedoch in ein kleines Dorf im Busch versetzt wurde, hielt es der dynamische junge Mann nicht mehr aus. Sollte er sein Leben als Dorflehrer fernab von jeglicher Infrastruktur und ohne Hoffnung auf Veränderung in seinem Leben fristen? Sekou traf eine Entscheidung, gegen die Sicherheit und ein Leben in geordneten Bahnen – und für das Risiko der Veränderung. Mit seinem Gehalt aus der Dorfschule kaufte er sich ein Busticket nach Marokko. Sein Abenteuer begann.

Aufbruch ins Ungewisse

Nur wenige Monate später sollte er seine Entscheidung bitter bereuen. Der Weg ins neue Leben, der Weg nach Europa, war sehr viel härter, als er sich jemals vorgestellt hatte. Die Tore der Festung Europa waren wohlbehütet. Sekou tingelte in Marokko umher und suchte nach einem Weg. In den Wäldern um die spanische Exklave Ceuta harrte er monatelang aus, schlief in einem Erdloch, aß Müll, als ihm das Geld für Lebensmittel ausging. Der Gedanke an sein früheres Leben in Mali trieb ihm oft die Tränen in die Augen. Doch Reue brachte ihn nicht weiter, denn zurückzukehren kam nicht in Frage. Schließlich hatte er seine Familie verlassen, hatte einen Entschluss gefasst. Mit der analytischen Präzession eines Mathematiklehrers beobachtete er nun tagtäglich den Zaun um Ceuta, studierte den Wechsel der Wachtposten, die Lücken im Hochsicherheitssystem. Es kostete ihn elf Versuche, den Zaun zu überwinden. Doch es gelang.

Das vermeintliche Ziel

Ausdauer, Selbstdisziplin und Willensstärke. Sekous Tugenden halfen ihm auch beim Leben in Ceutas Warteschleife, nicht den Mut zu verlieren. In Windeseile lernte er Spanisch, engagierte sich ehrenamtlich beim Roten Kreuz, gewann Freunde, die ihm emotionalen Rückhalt gaben. Sein aus offizieller Sicht ‚gutes Betragen‘ lohnte sich. Als einige Migranten in Ceuta für einen Ausweg aus ihrer Situation demonstrierten und sich die Lage im C.E.T.I. unter den Migranten verschärfte, wurde er auf das spanische Festland entlassen.

Die Warteschleife geht weiter

Dass das Warten jenseits von Ceuta jedoch nicht aufhörte, muss Sekou bis heute ertragen. Er kam in einem Männerwohnheim für Migranten im südspanischen Lorca unter. Doch Aussichten auf Arbeit hat er im krisengebeutelten Spanien nicht. Die Nachricht vom Tod seines Vaters setzt ihn zwar unter Druck, etwas zur finanziellen Absicherung der Familie zu Hause beizutragen, aber noch immer schreckt er davor zurück, sich mit illegaler Arbeit durchzuschlagen. Der geradlinige junge Mann empfindet den Akt, irregulär nach Europa gekommen zu sein, immer noch als Bürde und möchte nicht länger ein Leben in Illegalität führen. Noch kann er die Hoffnung auf eine Regularisierung in Spanien aufrecht erhalten. Ob diese Hoffnung Früchte trägt oder wie viele seiner Träume stumm zerplatzt, steht in den Sternen.

Zu Hause

Im Februar 2011 besuchte ich Sekous Familie in Mali. Sie hinterließen ihm folgende Videobotschaft:

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